Helmut Kalthoff und seine Zeit

Helmut Kalthoff und seine Zeit

im 1. FC Gievenbeck 1949 e.V.

Zugang 49erVIP / Tribüne

 

 


Zum 27. April 1996 schrieb die damals amtierende Oberbürgermeisterin von Münster, Marion Tüns:

„Das Engagement, der Mut und die Risikobereitschaft, die auf allen Seiten notwendig war, ist bisher beispiellos und hat sich zwischenzeitlich auch bundesweit herumgesprochen.“

Diese Zeilen sind dem Grußwort entnommen, das Marion Tüns anlässlich der Einweihung des „Sportpark Gievenbeck“ zu Papier brachte. Im boomenden Stadtteil Münsters war „ein Traum vieler Gievenbecker“ in Erfüllung gegangen, wie der Vorsitzender des 1. FC Gievenbeck 1949 e.V., Alois Lutz, mit Blick auf das Entstandene wertete. In einem Pilotprojekt für NRW entstand aus jahrelang gehegten Plänen eine kommunale Sportanlage in der Bauträgerschaft eines Vereins. Und genau dessen Bereitschaft lobte Marion Tüns ausdrücklich.

 

Eintragung in das "Goldene Buch"
der Stadt York/England

Helmut „Karlo" Kalthoff, Mitglied im FCG seit 1967 – er organisierte 1968 mit der A-Jugend einen internationalen Jugendaustausch mit York/England (Partnerstadt Münsters) nebst Rückbesuch zum 20-jährigen FCG-Vereinsjubiläum in 1969 und war in den 1970/80er Jahren bereits als Unterstützer im materiellen Bereich der ersten Mannschaft von Trainer Tono Mengelmann engagiert – war damals tätig als stellvertretender Beiratssprecher des FCG und sollte während der Sportanlagenplanung und Umsetzung der entscheidende Mann werden. „Ohne ihn“, hieß es im April 1996 bei der Einweihung, „wäre der Bau wahrscheinlich gar nicht möglich gewesen.“ Kalthoff war de fakto Bauherr und als solcher auch erster Interessenvertreter des Clubs in diversen Verhandlungsrunden mit den beteiligten Seiten und Unternehmen. Kalthoff packte selbst mit an und schoss aus eigener Tasche einen sechsstelligen DM-Beitrag für den Tribünenausbau, den Bereich „49erVIP“ und den Mehrzweckraum hinzu, als das ambitionierte wie einzigartige Projekt ab Mai 1994 mit den ersten Erdarbeiten Gestalt annahm.

 

Sitzplatztribüne für 180 Besucher

49erVIP, links mit Blick in die Ballspielhalle

Zugang aus dem 49erVIP zur Tribüne


Dem von 1952 bis 1991 insgesamt 39 Jahre lang amtierenden Vereinsvorsitzenden Peter Demling (†26.02.2017) war es schon lange ein Anliegen, die Mannschaften des FCG an einem Platz zu vereinen. Spielten sie doch auf der Sentruper Höhe (Senioren) und am Arnheimweg (Junioren), also getrennt voneinander. Demlings Vorstöße in Richtung Stadt Münster waren ebenso zahlreich und hartnäckig wie nicht von Erfolg gekrönt. Erst im Herbst 1992 fiel bei neuen Gesprächen mit der Verwaltung im Nebensatz die Bemerkung: „Vielleicht können sie auch selbst bauen!“

 


Gemeinsam mit Stadtdirektor Hermann Janssen, dem auch eine kostengünstigere Variante vorschwebte, wurde dann das von Helmut Kalthoff entwickelte und vom FCG vorgelegte Konzept umgesetzt, nachdem die Vereinsmitglieder ihre Zustimmung gegeben hatten. Kalthoff gründete die „SPOA“ (Sportanlagen GmbH), die für die Erstellung, Umsetzung des Gesamtkonzepts und anschließende Unterhaltung der Sportanlage verantwortlich war. Die Realisierung lag in den Händen der Architekten Brinkmann & Deppen sowie Schmidt. Kalthoff erreichte beachtliche Einsparungen durch geschickte Verhandlungen mit Unternehmen und machte es dem FCG möglich, abweichend vom Plan zusätzliche Flächen und Gebäudeteile sporttechnischer Nutzung zuzuführen. Zur Sportpark-Eröffnung rüstete Kalthoff alle Fußballmannschaften des FCG mit weinrot-blau gestreiften Traditionstrikots aus.

 

Präsentation Sportpark Gievenbeck
Architekten: Deppen + Brinkmann





Die Gesamtinvestition für die Maßnahme „Sportpark Gievenbeck“ betrug nach Schlussabrechnung 10,5 Millionen DM, von denen die Stadt 7,665 Mio. DM bezahlte. 2,835 Mio. DM schulterte der Club durch einen Bankkredit über 1,2 Mio. DM und erlöste 1,0 Mio. DM aus Marketing- sowie 600.000 DM aus sonstigen Maßnahmen. Die Ausgaben 3,62 Mio. DM für die Freianlage und 6,88 Mio. DM für das Gebäude.

Fertigstellung des Sportparks und die Stadtmeisterschaften im Hallenfußball

Der Sportpark bietet ein von der Tribüne aus einsehbares Rasenspielfeld (Stadion), einen Kunstrasenplatz mit Flutlicht und eine große Mehrzweckrasenfläche, auf der sich Spielfelder in verschiedenen Größen mit beweglichen Toren einrichten lassen, sowie eine Beachvolleyball-, Baskettballanlage und einen „Bolzplatz“. Das Gebäude umfasst die vielseitig nutzbare Ballspielhalle, die den Namen „Peter-Demling-Halle“ erhielt, einen Mehrzweckraum, Kabinen, Büroräume, die Vereinsgaststätte und einen VIP-Bereich, von dem aus das Stadion und die Halle einsehbar sind. Teilweise sind Räumlichkeiten von anderen Anbietern angemietet.

 

Zugang "FCG Treff"

Peter Demeling Ballspielhalle
55m x 32m, unterteilbar

Außenansicht Ballspielhalle vom Parkplatz

1977 besuchte FCG- Trainer Tono Mengelmann mit Helmut Ossenbeck zu Saisonbeginn das Meisterschaftsspiel der 2. Liga Nord des TSV Bayer 04 Leverkusen beim Wuppertaler SV, dessen Geschäftsführer Helmut Kalthoff war. Kalthoff berichtete über eine Stadtmeisterschaft der Wuppertaler Vereine um den „GA-Pokal“ in der Saisonvorbereitung. Schnell war man sich einig: „ Das müsste man in Münster im Winter in der Uni-Halle machen“. Tono Mengelmann nahm Kontakt zu „Atze“ Gruber (Institut für Leibesübungen der Uni) auf, den er persönlich aus seiner aktiven Zeit kannte. Der war auch von dieser Idee begeistert, gab allerdings den Hinweis, dass die Universitätssporthalle am Horstmarer Landweg nur zwischen Weihnachten und Neujahr verfügbar wäre.

Tono Mengelmann

Die Idee wurde Wirklichkeit. Vier Monate später: Weihnachten 1977 startete das erste Turnier mit 16 münsterschen Vereinen. Der Wettbewerb entwickelte sich im Laufe der Jahre zu einem wichtigen starken Wirtschaftsfaktor für den FCG. Anfang 1979 spielten auch die A- Junioren in der Halle III der Halle Münsterland ihren Stadtmeister aus. 1991 folgte der Wettbewerb für B-Junioren. Ab 1989 waren die Meisterschaften in der Großsporthalle Berg Fidel beheimatet. Ein Jahr später setzte Kalthoff ein von ihm konzipiertes Marketingkonzept mit vier Haupt- und einer Vielzahl weiterer Sponsoren inklusive dem attraktiven „Tor-Bonus“ für den FCG um, fortgeführt wurde das danach in der eigens gegründeten FCG-Werbe GmbH.

1996 mit der Fertigstellung des Sportparks entwickelte Kalthoff die Idee zum „Münster-Cup“ als Sommerturnier für Seniorenteams (später „Tuja-Cup“). 2005 unterstützte die HKS die Errichtung eines Technikparcours mit Bandenspielfeld im Sportpark.